Der Dokumentarfilm KULTURKRIEG – KUNST ALS WAFFE (arte) erzählt am Beispiel der Ukraine von einer der mächtigsten Waffen in der Geschichte des Krieges: Kultur.
War als Regisseur und Autor länger (und danach öfter) in der Ukraine, von Uschgorod bis Bachmut, und habe ukrainische Künstler und Künstlerinnen begleitet, vom Konzertsaal an die Front, vom Bunker ins Atelier.
Ist ja so: Die Russischen Angriffe gelten nicht nur dem militärischen Gegner, sondern auch Museen, Denkmälern, Kirchen und Theatern. Sie richten sich nicht nur gegen ukrainisches Gebiet, sondern auch gegen die ukrainische Identität - weil die Ukraine als selbständige Nation vernichtet werden soll. Doch Jahre des Kriegs haben die ukrainische Kunst und Kultur stärker, vielfältiger und unverwechselbarer gemacht hat denn je zuvor.
Kunst ist eine weitere Frontlinie. Ein anderes Schlachtfeld. Sie ist Hoffnung und Zuversicht, ein Bunker und eine Panzerung. Vor allem aber ist Kunst eine Waffe. „Im Krieg wird Kunst zum Zeichen von Freiheit und Würde, nicht nur zur Ablenkung", schreibt Michael Hanfeld in der FAZ über den Film.
Kultur in einem Krieg ist nicht nur Begleiterscheinung ist, sondern ein Zeichen von Selbstbehauptung. Am Beeindruckendsten für mich war und wird immer sein: Die gesellschaftliche Leistung in der Ukraine. Das Annehmen der aufgezwungenen Herausforderung. Die Resilienz der Gesellschaft.
Einer meiner Nachbarn damals, Stadtteill Obolon, Kyjiw, 19 Kilometer entfernt von Irpin, im März 2022 ständiges Ziel russischer Artillerie, erzählte, dass er Avatar 2 im Kino gesehen hat. „Und?“, fragte ich. „Wie ist der Film?“ Weiß er nicht, sagte er. Ungefähr in der Mitte gab es einen Angriff, alle mussten in den Bunker, er weiß nicht, wie es ausgeht. Er sagte: „Ärgerlich.“ Das war alles.